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Wie Nachhaltig ist E-Mobilität?

Bei Diskussionen um die Nachhaltigkeit der E-Mobilität hört man die unterschiedlichsten Argumente. Wie schlägt sich ein elektrischer Antrieb im Vergleich zum Verbrenner, wenn man den gesamten Lebenszyklus betrachtet? Und wie dramatisch sind die Probleme bei der Herstellung der Akkus?

Zum Lebenszyklus eines Fahrzeugs gehört selbstverständlich auch die Produktion des Fahrzeugs selber. Dabei wird in vielen Vergleichen zwischen Verbrenner und E-Mobil die Fertigung der Batterie herangezogen. Zweifelsfrei ist die Fertigung eines Akkus, der ein Fahrzeug antreiben soll, aufwendig. Und auch die Förderung der dafür benötigten Rohstoffe ist um Größenordnungen aufwendiger als die eines schlichten Treibstofftanks. Aber ein solcher Vergleich berücksichtigt eben nicht den gesamten Lebenszyklus, der von der Förderung der Rohstoffe über die Laufzeit bis hin zur Schrottpresse geht.

So sähe die Gigafactory aus, wenn man auf Teslas Webseite fliegen könnte. Für alle anderen bietet sich ein eher profaner Anblick. Nichtsdestotrotz verwendet die Gigafactory Solarmodule, was die Ökobilanz der produzierten Akkus verbessert. Bild: Tesla

Ist der Akku einmal hergestellt, lässt er sich mit Strom betanken. Der Vorteil liegt darin, das durch eine Änderung des Energiemixes hin zu erneuerbaren Energien die CO2-Bilanz jedes Jahr besser werden kann. Bei einem Verbrenner hingegen ist das nicht der Fall. Auch wird oft vergessen, wie hoch der Energieaufwand für die Förderung und Raffinierung eines einzigen Liters Benzin ist. Dabei wird ein Großteil der Energie thermisch umgesetzt, das heißt, dass Abfallprodukte des Ölförderungsprozesses verbrannt werden. Dabei werden Unmengen CO2 freigesetzt, die in den üblichen CO2-Bilanzen von Verbrennern gar nicht erst auftauchen. Eben sowenig wird über das dabei freigesetzte Schwefel diskutiert oder das Methan, das beim Fördern von Erdöl austritt.

Der Hauptkritikpunkt bei der Akkuherstellung ist die Fertigung in der chilenischen Wüste. Dabei bleiben aber verschiedene Faktoren ungenannt. Zum einen ist Chile nicht mehr der größte Lithiumexporteur der Welt – das ist mittlerweile Australien, das schon im Jahr 2018 mehr als dreimal so viel Lithium exportiert hat.

Die Atacama Wüste ist ein ertragreiches Gebiet für die Lithium-Förderung – und gleichzeitig ein Mahnmal Bild: TravelCoffeeBook auf Pixabay

Auch die Umweltschäden in Chile sollte man eventuell mit einem Blick auf die zahlreichen Umweltkatastrophen, die das Erdöl herbeigeführt hat, betrachten. Ein gutes Beispiel dafür wäre Nigeria. Dass es Umweltschäden durch den Abbau von Lithium gibt, ist natürlich unbestritten. Diese sind nicht zu vermeiden beim Abbau von Rohstoffen in dieser Größenordnung. Der Unterschied zwischen Lithium und Erdöl ist nur der, das für eine Autobatterie etwa 10 kg ausreichend sind, um das Auto ein Leben lang zu bewegen. Vom Erdöl hingegen werden zehntausende Liter verbraucht, die die Umwelt bei der Förderung, der Veredlung, beim Transport und beim Verbrauch schaden. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, das die Energiedichte von Lithium-Ionen Akkus in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert wurde. Das bedeutet im Umkehrschluss, das weniger Lithium pro Akku benötigt wird. Am Ende des Lebenszyklus dürfte das Lithium zudem auch noch recycelt werden. Bei all dem kann Erdöl nicht mithalten.

Der Hauptgrund für den Umstieg auf die elektrische Mobilität dürfte darin liegen, dass nicht die aktuelle Situation betrachtet wird, sondern ihre Projektion in die Zukunft. Selbstverständlich sind Akkus derzeit noch teuer und aufwendig in der Herstellung. Natürlich gibt es noch viel zu wenige Elektrotankstellen, die auch noch zu langsam laden. Zudem sind die Fahrzeuge ziemlich teuer. Aber das sind alles Probleme, die sich technisch beheben lassen. Die Akkudichte steigt, dank der darin investierten Forschung, jedes Jahr um fast 20 %. In einer nicht allzu fernen Zukunft werden die Akkus daher ausreichend dimensioniert sein, um mit einem regulären Verbrenner gleichziehen zu können. Danach wird der Akku schrumpfen, mit dem Volumen sinkt auch sein Gewicht und der Preis. Dann wird der Punkt kommen, an dem Elektroautos billiger sind als Verbrenner – und dann wird die Verbreitung der E-Mobilität schlagartig zunehmen.

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